Worte gegen den Wind ... Die Seite mit kritischer Lyrik und Satire

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Wortergreifung

Zorniges Poem

Zwei 11. September

Zwei kurze


Mecklenburger Alleegie

Jetzt werden sie ausgelichtet*
die letzten der Alleen
die unser Deutschland, Deutschland überall
einst grün durchsäumten –
nun zu Tode amputiert
damit die neuen Laster
die hohen Laster des Konsums
auf ihrem segensreichen Weg
nicht etwa hängen bleiben
an ein paar Lindenzweigen

damit die eiligen Urlauber
schneller ihre heile Welt erreichen
und solang es sie noch gibt.

Freie Fahrt für die befreiten Bürger!
Bahn frei den rasenden Blinden, die üben
den ungebremsten Überschlag
hüben und drüben.

Sie kappen die störenden Äste
was dem Fortschritt im Weg steht
was gefällt wird gefällt, wird gefällt
und die Motorsägen heulen
in den kalten Westwind
ihre schauerliche Botschaft
von der verkehrsgerechten Welt.

Aber niemand da, der dem Krause*
die Straßenbaupläne beschneidet
der den Tachonadelwald lichtet
die Geschwindigkeiten stutzt
der mal ein Lebensurteil fällt.

Und wer amputiert die kranken Gehirne
der Tausendtöter, Schreibtischtäter, Bäumemörder
wer seziert die Leichen der Landschaftszerstörer
spült die versteinten Nieren der Betonpisser
stoppt ihren schwarzen, asphaltischen Durchfall
und kappt die nimmersatten Mägen
der Naturvertilger?

Wer schließlich sägt
sägt an den hohen Stühlen
auf denen die Ärsche sich
so Kohl fühlen
die an dem Ast
auf dem sie selbst
auf dem wir alle sitzen
sägen?


* Nein, jetzt nicht mehr (hoffentlich). Aber bald nach der Wiedervereinigung rückte man beim Ausbau
des ostdeutschen Fernstraßennetzes den letzten großen Alleen in Deutschland zu Leibe. Die Bäume
wurden gefällt oder auf das sogenannte "Lichtraumprofil" zurechtamputiert. Ihren Höhepunkt
erreichten diese Aktionen 1992 unter dem damaligen Bundesverkehrsminister Günther Krause.
Das Gedicht entstand Anfang 1993 und erschien im Dezember des gleichen Jahres in der kleinen
Literaturzeitschrift "Lebensbaum".
Krause hatte es sich zu Herzen genommen und in der Zwischenzeit kräftig am eigenen Stuhl gesägt.
Nach diversen Affären trat er am 6. Mai 1993  zurück und wurde in Amt und Nebeneinkünften selbst
ein bisschen beschnitten. Am 3. Mai 1993 wurde (ohne ihn) in Putbus auf Rügen der erste Abschnitt
der "Deutschen Alleenstraße" eröffnet.

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